Tag 54 – Kauribäume

Nun, endlich, ging es in den nördlichsten Teil Neuseelands, um die legendären Kauribäume zu sehen. Es hat sich gelohnt! Die ältesten Exemplare sehen kaum mehr aus wie ein Baum, eher wie einer, den ein kosmischer Riese umgedreht und mit dem Kopf voran in den Boden gebohrt hat. Wie so oft spielt auch hier die Evolution eine spannende Rolle: Kauribäume führen einen chemischen Krieg gegen ihre Nachbarn und verlassen sich dabei auf Geduld.

Anfangs setzen sie sämtliche Energie in das vertikale Wachstum – keine Zeit für tiefe Wurzeln oder viele Blätter! Sobald die Höhe erreicht ist, wird mit Hilfe von extrem saurem Harz und Blättern, die dazu mit symbiotischen Pilzstrukturen fermentieren, der Boden unter sich von anderer Konkurrenz frei gehalten. Die unteren Äste sterben ab, um keiner Ranke oder anderen Parasiten einen Angriffspunkt zu geben.

Die Wurzeln bleiben flach, gehen aber extrem in die Breite, um wie eine Bodenplatte für Stabilität zu sorgen. Nährstoffe werden über die Pilze direkt an der Oberfläche aufgenommen. Dadurch, dass diese Bäume tausende (!) von Jahren alt werden, ist eine tiefe Verwurzelung eher schädlich, da sie auf den steinigen Lehmböden sonst zu schnell bei einem Erdrutsch oder Erosion ihre Stütze verlieren könnten.

In Kürze sind diese Bäume also Meister des long games, bei dem die Konkurrenz einfach ausgesessen wird und deren Leben sich in zwei distinktive Abschnitte aufteilt. Hier sind jüngere und schlanke Bäume zu sehen.

Nachdem Menschen aber an ihren Fußsolen die einzigen Schädlinge, die ihnen gefährlich werden können, versehentlich transportieren können und man überall auf die Wurzeln der Kauri steigt, ist nahezu der ganze Wald auf Plattformen gesichert und mit Bürsten und Desinfektionsmittel versehen.

Auf dem nachmittaglichem Spaziergang wurden wir von einem enorm neugierigem Schaf begrüßt, was laut seiner Besitzerin auch mehr Hund als Schaf ist. Als wir sahen, wie es uns zum Spielen aufforderte und sich wie ein Hund selbst kratzte, mussten wir dem zustimmen.

Der Wind wurde stärker und gab uns gleich die Erklärung für die Schräglage der Bäume.

Während es zuzog, wurde es einmal mehr wunderschön in Sachen Lichtstimmung…

…und so beschlossen wir, dem Wind noch etwas zu trotzen.

Die Gewitterwolken sammelten sich allerdings schon wieder am Horizont…

…und so wurde es Zeit für die Rückkehr ins Zimmer.

Für die Kühe waren wir das Highlight des Tages, wir hatten ihre ungeteilte Aufmerksamkeit!

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